Zersetzung der Seele: Wenn Behörden zum System werden
Ein persönlicher Erfahrungsbericht über behördliche Verfahren, ständige Gegenwehr und die Frage, wie sich wiederkehrende Konflikte mit staatlichen Institutionen auf einen Menschen auswirken.

Zersetzung der Seele – vielleicht klingt dieser Begriff für manche zunächst dramatisch. Für mich beschreibt er jedoch zunehmend ein Gefühl, das sich aus vielen einzelnen Erfahrungen entwickelt hat: Nicht ein einzelner großer Schlag zerstört einen Menschen. Es sind die vielen kleinen Vorgänge. Ein Schreiben hier. Eine ausbleibende Antwort dort. Eine Entscheidung, die monatelang nicht kommt. Eine Frist, die plötzlich wichtig ist. Ein Betrag, den man bezahlen soll. Eine Behörde, die auf eine andere verweist.
Und irgendwann stellt man sich die Frage:
Was macht ein solches System mit einem Menschen, der ohnehin ständig darum kämpfen muss, überhaupt gehört zu werden?
Ich bin Regierungskritiker. Ich äußere mich öffentlich zu politischen und gesellschaftlichen Fragen und kritisiere staatliches Handeln, wenn ich es für falsch halte.
Was ich dabei immer wieder erlebe, ist nicht unbedingt der eine große Moment, in dem jemand sagt: „Wir wollen dich fertig machen.“
Es ist subtiler.
Es ist die Summe.
Wenn aus einzelnen Vorgängen ein Muster entsteht
Ich habe die großen Angriffe hinter mir.
Ich habe fünf Jahre meines Lebens in politischer Haft verbracht. Diese Haft stand im Zusammenhang mit meiner politischen und öffentlichen Haltung als Teil einer gegen mich gerichteten politischen Repression.
Hinzu kommt, dass meine Profisportkarriere als Folge dieser Ereignisse gestohlen und zerstört wurde.
Eine Karriere, in die ich Jahre meines Lebens investiert hatte. Training, Disziplin, Wettkämpfe, Ziele und Zukunftspläne.
Und dann gibt es Erfahrungen, die sich nicht einfach wieder aus dem Kopf löschen lassen.
Ich musste einen SEK-Einsatz gegen mich miterleben und vieles mehr.
Solche Erlebnisse verschwinden nicht einfach, nur weil ein Verfahren irgendwann beendet ist. Sie bleiben zurück.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, über den viel zu wenig gesprochen wird:
Was bleibt von einem Menschen zurück, wenn er über Jahre immer wieder mit staatlichen Eingriffen, Verfahren, Behörden und juristischen Auseinandersetzungen konfrontiert wird?
Ich habe die großen Angriffe vorerst hinter mir.
Aber der Behördenalltag hört nicht auf.
Ein Antrag bleibt liegen.
Ein Schreiben wird angeblich nicht rechtzeitig registriert.
Eine Entscheidung kommt Monate später.
Ein anderer Amtsträger verlangt zwischenzeitlich Geld.
Dann entstehen Kosten.
Dann wird wegen dieser Kosten vollstreckt.
Und wenn man sich dagegen wehrt, beginnt der nächste Vorgang.
Jeder einzelne Schritt kann für sich genommen erklärbar sein. Aber was passiert, wenn sich solche Vorgänge immer wiederholen?
Genau hier beginnt für mich die Frage nach dem systemischen Unrecht.
Nicht als bereits bewiesene juristische Tatsache.
Sondern als Erfahrung.
Mein aktueller Fall: 19. März gegen 6. August
Ein Beispiel dafür ist mein aktueller Streit im Zusammenhang mit einer Zwangsvollstreckung.
In diesem Verfahren geht es um die Zwangsvollstreckung gegen Ferdi Özbay als Schuldner, der an mich ein Schmerzensgeld in Höhe von 100,00 € zu zahlen hat.
Am 19. März 2026 um 12:40 Uhr habe ich einen Antrag an das Amtsgericht Dorsten übermittelt. Der mir vorliegende Faxnachweis dokumentiert den Versand mit dem Status:
„Erfolgreich gesendet.“
Für mich war damit klar: Der Antrag ist gestellt.
Doch dann geschah – nichts.
Monatelang.
Am 7. August 2026 teilte mir das Amtsgericht Dorsten schließlich mit, der Antrag vom 19. März sei erst am 6. August 2026 beim Vollstreckungsgericht eingegangen.
Fast fünf Monate liegen zwischen diesen beiden Daten.
19. März.
6. August.
Diese beiden Daten stehen für mich heute symbolisch für ein Problem, das weit über einen einzelnen Geldbetrag hinausgeht.
Denn während die Angelegenheit unbearbeitet blieb, lief das Verfahren weiter.
Und dann entstehen Kosten
Am 18. Mai 2026 wurde die beantragte Vollstreckungsmaßnahme abgelehnt.
Dabei entstanden 21,60 Euro Kosten.
21,60 Euro.
Natürlich kann man sagen: Das ist doch kein großer Betrag.
Aber genau darin liegt für mich das Problem.
Es geht nicht um die Höhe des Betrages.
Es geht darum, wie er entstanden ist und um die Anzahl gleichgelagerter Dinge.
Wenn ein Mensch einen Antrag stellt, über den über Monate nicht entschieden wird, und in dieser Zeit weitere Kosten entstehen, dann stellt sich zwangsläufig die Frage, wer die Folgen dieser Verzögerung trägt.
Der Betroffene?
Oder das System, das den Vorgang nicht rechtzeitig bearbeitet hat?
Genau diese Frage lasse ich nun rechtlich überprüfen.
Am Ende wird aus dem kleinen Betrag eine neue Vollstreckung
Am 18. August 2026 erhielt ich das nächste Schreiben des Gerichtsvollziehers.
Die 21,60 Euro sollten nun unverzüglich gezahlt werden.
Und dann steht dort ein Satz, der für mich die ganze Absurdität dieses Vorgangs sichtbar macht:
„Es wurde auch bereits eine Vollstreckung gegen Sie diesbezüglich beantragt.“
Da ist er wieder.
Der nächste Vorgang.
Die nächste Forderung.
Die nächste Frist.
Die nächste Auseinandersetzung.
Und wieder muss ich reagieren, obwohl ich einen Titel am Amtsgericht Dorsten erwirkt habe.
Wieder muss ich schreiben.
Wieder muss ich nachweisen.
Wieder muss ich erklären.
Wieder muss ich meine Rechte suchen. Verliere Zeit.
Der eigentliche Verschleiß findet im Menschen statt
Genau hier liegt für mich die Zersetzung der Seele.
Nicht zwingend darin, dass jemand einen Menschen einmal offen angreift.
Sondern darin, dass der Mensch irgendwann keine Kraft mehr hat, den nächsten Brief zu öffnen.
Dass er beim Blick in den Briefkasten bereits mit dem nächsten Problem rechnet.
Dass er sich fragt, welche Behörde diesmal etwas von ihm will.
Dass aus einem normalen Verwaltungsakt eine psychische Belastungsprobe wird.
Und das Perfide daran ist:
Jeder einzelne Vorgang lässt sich erklären.
„Ein Fehler.“
„Ein Missverständnis.“
„Eine Zuständigkeitsfrage.“
„Ein fehlender Nachweis.“
„Eine Frist.“
„Eine Gebühr.“
„Ein automatisiertes Verfahren.“
„Ein Einzelfall.“
Vielleicht stimmt das sogar.
Aber irgendwann muss man auch die Summe der Einzelfälle betrachten.
Regierungskritik darf nicht zur Belastungsprobe werden
Ich bin Regierungskritiker.
Das bedeutet nicht, dass ich über dem Gesetz stehe.
Es bedeutet auch nicht, dass Behörden meine Anträge automatisch positiv entscheiden müssen.
Ein Rechtsstaat muss Kritik aushalten können.
Und gerade deshalb sollte ein Mensch, der staatliche Entscheidungen öffentlich kritisiert, darauf vertrauen können, dass Behörden und Gerichte seine Angelegenheiten sachlich, nachvollziehbar und unabhängig von seiner politischen Haltung bearbeiten.
Ich kann nicht beweisen, dass einzelne Behördenhandlungen gegen mich deshalb erfolgen, weil ich Regierungskritiker bin.
Das wäre eine Tatsachenbehauptung, für die ich einen entsprechenden Beleg bräuchte.
Aber ich kann sehr wohl sagen:
Ich empfinde die wiederholten Erfahrungen als zermürbend.
Und ich kann die Vorgänge dokumentieren.
Das ist mein gutes Recht.
Die großen Angriffe hinterlassen Spuren
Vielleicht wird die Dimension dieser Erfahrung erst verständlich, wenn man nicht nur den einzelnen Behördenbrief betrachtet.
Für mich steht dieser Vorgang nicht isoliert.
Er steht am Ende einer langen Kette von Erfahrungen.
Fünf Jahre Haft.
Politisch geprägter Konflikt mit dem Staat.
Der Verlust meiner Profisportkarriere, die ich heute als Folge dieser Ereignisse als gestohlen empfinde.
Ein SEK-Einsatz, den ich selbst miterleben musste und vieles mehr.
Und danach immer wieder neue Auseinandersetzungen mit Behörden und Institutionen.
Natürlich ist nicht jeder spätere Behördenvorgang automatisch Teil derselben Ursache.
Das behaupte ich auch nicht.
Aber für denjenigen, der all diese Erfahrungen selbst erlebt hat, existieren sie nicht unabhängig voneinander.
Sie lagern sich übereinander.
Eine Erfahrung verstärkt die nächste.
Ein neuer Brief erinnert an den alten.
Eine neue Forderung weckt Erinnerungen an frühere Verfahren.
Und irgendwann entsteht ein Gefühl, das schwer wieder loszuwerden ist:
Du musst dich ständig verteidigen.
Vielleicht ist das die eigentliche psychologische Dimension staatlicher Auseinandersetzungen, über die viel zu selten gesprochen wird.
Nicht nur das Verfahren selbst belastet.
Sondern das Gefühl, niemals wirklich zur Ruhe zu kommen.
Deshalb veröffentliche ich die Dokumente
Ich werde deshalb nicht einfach behaupten:
„Der Staat verfolgt mich.“
Ich werde die Dokumente zeigen.
Ich werde Daten nennen.
Ich werde Schreiben veröffentlichen.
Ich werde Fristen dokumentieren.
Ich werde Entscheidungen gegenüberstellen.
Und ich werde dort, wo ich eine Rechtsverletzung vermute, die zuständigen Gerichte entscheiden lassen.
Denn genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen einer bloßen Verschwörungserzählung und einer überprüfbaren politischen Kritik:
Die Behauptung muss sich an der Realität messen lassen.
Mein Faxnachweis vom 19. März existiert.
Das Schreiben des Amtsgerichts vom 7. August existiert.
Das Schreiben des Gerichtsvollziehers vom 18. Mai existiert.
Das Schreiben vom 18. August existiert.
Die 21,60 Euro existieren.
Und deshalb stelle ich Fragen.
Was macht ständige Gegenwehr mit einem Menschen?
Vielleicht ist das die eigentliche Frage hinter diesem Fall.
Was macht es mit einem Menschen, wenn er seine Energie nicht mehr dafür verwendet, sein Leben zu gestalten, sondern immer wieder dafür, sich gegen neue behördliche Vorgänge zu verteidigen?
Was macht es mit einem Menschen, wenn jeder Fehler einer Behörde für ihn neue Arbeit bedeutet?
Wenn er die Beweislast seiner eigenen Existenz ständig neu dokumentieren muss?
Wenn er nicht nur seine Sache bearbeiten muss, sondern zusätzlich beweisen muss, dass er sie überhaupt rechtzeitig bearbeitet hat?
Und was macht es mit einem Menschen, wenn er irgendwann beginnt, jedem neuen Schreiben mit Misstrauen entgegenzusehen?
Vielleicht ist genau das die eigentliche Zersetzung.
Ich werde weiter dokumentieren
Ich werde diesen Vorgang weiter öffentlich dokumentieren.
Nicht, weil ich bereits auf jede Frage eine Antwort habe.
Sondern weil ich Antworten verlange.
Ich habe gegen den Kostenansatz die gesetzlich vorgesehene Erinnerung eingelegt. Ich habe die Aussetzung der Vollstreckung beantragt. Außerdem habe ich eine Dienstaufsichtsbeschwerde vorbereitet.
Und ich werde die weitere Entwicklung veröffentlichen.
Wenn das Gericht erklären kann, weshalb mein am 19. März übermittelter Antrag erst am 6. August als Eingang beim Vollstreckungsgericht behandelt wurde, werde ich diese Erklärung ebenfalls veröffentlichen.
Denn ein Rechtsstaat muss Kritik nicht fürchten.
Ein Rechtsstaat muss Kritik beantworten können.
Und wenn meine Wahrnehmung falsch ist, dann sollen die Dokumente und Entscheidungen mich vom Gegenteil überzeugen.
Bis dahin bleibt meine Frage bestehen:
Wie viele kleine Vorgänge braucht es, bis aus einem Verwaltungsproblem eine Zersetzung der Seele wird?
Wer meine Geschichte, meine politischen Aktivitäten und weitere Beiträge zu meinen Erfahrungen verfolgen möchte, findet weitere Artikel in meinem Blog: